Wenn der Hund zum Panda wird
Fast gehört es schon zum guten Ton, wenn Mann oder Frau sich einen Wellnesstag im Spa gönnt. Nun wird es immer häufiger en vogue, solche Verwöhn-Behandlungen auch seinen vierbeinigen Lieblingen zukommen zu lassen.
Wie die meisten fragwürdigen Trends wurden die ersten Schönheitssalons für Hunde in den USA entdeckt. In der aufstrebenden Wirtschaftsmacht China allerdings boomt die umfassende Schönheitsbehandlung für Hunde: In den Metropolen des Landes eröffnen nahezu täglich neue Styling-Oasen für Vierbeiner. Ob diese die dort angebotenen Behandlungen auch so zu schätzen wissen wie ihre Besitzer, ist fraglich. Schließlich beschränken sich die Chinesen nicht einfach darauf, die Krallen zu kürzen oder etwa das Fell zu trimmen. Es muss bunt sein: Je greller, desto besser.
Wellness-Bäder
Die Ausbildung zu einem Hunde-Stylingexperten dauert 25 Tage und kostet umgerechnet 700 Euro – kein Kleingeld in einem Land mit einem durchschnittlichen Monatslohn von weit unter 200 Euro. Aber es zahlt sich aus, denn ein Styling-Tag inklusive Schaumbad, Farbkur, Föhnfrisur und trendigem Haarschnitt schlägt mit bis zu 500 Euro zu Buche. Daneben werden auch verschie- dene Wellness-Bäder angeboten, unter anderem mit Rosenmineralwasser, das ein Gefühl der Entspannung und Geborgenheit bewirken soll. Kostenpunkt: 20 – 100 Euro. Es stellt sich dabei die berechtigte Frage, wer sich nach diesen Behandlungen tatsächlich besser fühlt – Hund oder Herrl? Alles in allem ist es sicher kein Vergnügen für den Hund und zudem auch nicht gerade er- schwinglich für den Großteil der chinesischen Bevölkerung.

Auswüchse des Styling-Wahnsinns bei einer Zoo-Eröff- nung in China. Besucher sehen Hunde, deren Fell dem von Wildtieren nachempfunden ist.
Doch der Anteil derer, die diesen Betrag gerne bezahlen, steigt rasant an. Allein in den letzten zehn Jahren haben sich im asiatischen Raum die Ausgaben für die Hundehaltung um mehr als 500 (!) Prozent erhöht. Den letzten Schrei in Sachen Styling macht sich dabei auch der Handel zu Nutze, wie jüngst ein Zoo in der Provinz Zhenghou
bei seiner Eröffnung: Da wurde ein Golden Retriever zum Tiger und, weit überzeugender, eine kleine Chow-Chow-Familie zu einer Gruppe von Pandabären. Die Begeisterung über diese Verwandlung dürfte dennoch nur auf Seiten des zweibeinigen Publikums gelegen haben.

