Pirsch
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Jeder kennt das Bild der romantischen Beziehung des Waidmanns zu seinem Jagdhund. Doch was steckt wirklich in diesen vierbeinigen Spezialisten? Egal ob es draußen meterhoch schneit oder wie aus Kübeln schüttet, der schmale Felsgrat, der jeden Fehltritt, egal ob auf zwei oder vier Beinen, bitter bestraft oder die schattige Quelle, die Jäger und Hund zum kurzen Verweilen einlädt…Bilder, die die Aufgabe von Jagdhunden romantisieren, gibt es viele.

Doch in diesen Spezialisten steckt viel mehr als nur ein treuer Begleiter. Jagdhunde wurden über viele Generationen für ihre Aufgabe gezüchtet und spezielle Fähigkeiten haben daher nicht zuletzt auch genetische Ursachen. So ist beispielsweise die Wesensfestigkeit bei der Abgabe von Schüssen nicht nur trainiert, sondern basiert zu einem Gutteil auf einer genetischen Grundlage. „Wichtig und allen Jagdhunden gemein ist auch die sogenannte Führigkeit“, erklärt Johannes Schiesser, Präsident des Österreichischen Jagdgebrauchshundeverbandes. Er führt weiter aus: „Darunter versteht man die Eigenschaft des Hundes trotz seines ausgeprägten Jagdinstinktes das Wild bei Bedarf beispielsweise zu apportieren und nicht, wie es eigentlich zu erwarten wäre, selbst zu fressen.“ Unter den über 50 in Österreich anerkannten Jagdhunderassen gibt es natürlich auch weitere Spezialisierungen, wie beispielsweise jene, denen die sogenannte „Wasserfreude“ gleichsam in die Wiege gelegt wurde. Diese Hunde werden dann dementsprechend bevorzugt zur Jagd auf Wasserwild eingesetzt.

Wildsau oder Hase?

Eine wichtige Voraussetzung für alle Jagdhunde ist aber auch der Laut. Es wird zwischen Spurlaut – einer Spur oder Fährte folgen, Sichtlaut oder Standlaut unterschieden „Richtig ausgebildete Hunde können gezielt unterschiedliche Bell-Laute von sich geben, je nachdem ob sie etwa einen Feldhasen verfolgen oder ein Wildschwein.“ Wenngleich heute immer öfter moderne Ortungssysteme am Halsband zum Einsatz kommen, um die wertvollen Vierbeiner auch dann nicht zu verlieren, wenn sie sich im Zuge der Jagd zu weit vom Jäger entfernt haben, ist die Lautgebung eine wichtige Ortungshilfe während der Jagd. Schon im Welpenalter werden die Hunde spielerisch mit Beutedummies an ihre spätere Aufgabe im Revier herangeführt.

„Aber nicht nur die geistigen Fähigkeiten sind für einen späteren Jagdhund wichtig“, ergänzt Schiesser, „auch die körperlichen Voraussetzungen müssen stimmen, ehe die Hunde mit rund eineinhalb bis zwei Jahren tatsächlich so weit sind.“ Aus diesem Grund ist z.B. die HD-Untersuchung schon seit Jahrzehnten Standard. Schließlich werden die Vierbeiner später auch bei widrigsten Bedingungen im Revier unterwegs sein. Diese jagdlichen Einsätze können sich über einen ganzen Tag erstrecken. Während die Jagdbekleidung mit modernen Materialien die Zweibeiner immer besser vor Nässe und Kälte schützt, hat sich bei den Hunden nicht viel geändert. Ein dichtes Fell und eine robuste Natur sind zwar der einzige, aber auch der zuverlässigste Schutz. Werden Hunde erst später an die jagdliche Tätigkeit herangeführt, kann es durchaus schon zu spät sein.

Früh übt sich…

„Da gilt das Sprichwort: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr. Wenn Hunde bereits verinnerlicht haben, dass das Jagen auch ohne Herrn schön ist, ist die verlässliche Führigkeit fast nicht mehr zu erreichen und die Verwendung als Jagdhund eigentlich ausgeschlossen“, unterstreicht Schiesser die Bedeutung einer frühen jagdlichen Schulung. Aber wird der Hund dann nicht immer mehr zum perfekt funktionierenden „Gebrauchsgegenstand“? „Ganz im Gegenteil“, widerspricht Schiesser. „Die Beziehung zwischen dem Jäger und seinem Hund ist eine ganz spezielle, kameradschaftliche, sie bilden ein Team.

Jäger mit Jagdhund
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Dem Hund widmet der Jäger höchste Aufmerksamkeit und sollte sich ein Hund bei der Arbeit im Revier verletzen, hat die medizinische Versorgung oberste Priorität. Nicht nur, weil das gelebte, waidmännische Praxis ist, sondern weil Jagdhunde heute in den Familienverband integriert sind.“ So gern Schiesser über „seine“ Jagdhunde und ihre Leistungen spricht, bei einer Sache bekommt er Kopfweh: „Immer dann, wenn eine Jagdhunderasse plötzlich zum Modehund wird und abseits ihres eigentlichen Zuchtziels als ausschließliche Familien- oder Begleithunde gehalten werden. Das jagdliche Potential wurde über Generationen gezüchtet. Wenn diese Hunde das nicht kontrolliert ausleben können, kommt es zwangsläufig zu Problemen.“ Außerdem steigt mit der größer werdenden Nachfrage auch die Zuchtfrequenz und die überJahrzehnte hinweg mühsam selektierten Wesenseigenschaften der Rassen gehen dann schnell verloren.

Info:

Rund 50 Hunderassen werden als Jagdhunde verwendet. Ihnen gemein sind besondere Fähigkeiten, die nicht zuletzt auf genetischen Voraussetzungen basieren. Wesens- und Schussfestigkeit, Führigkeit und Wasserfreude sind nur ein paar dieser Eigenschaften, die ein Hund mitbringen muss, um später an der Seite „seines“ Jägers durchs Revier zu streifen. Bis zu zwei Jahre dauert die jagdspezifische Ausbildung, die aus den Voraussetzungen tatsächliche Fähigkeiten formen soll.